Doppelte Begriffe

26. August 2016

Die Geschichte des Kreuzworträtsels begann 1913 gleich mit einem Missgeschick, das heute als Fehler gilt: mit einem „doppelten Wort“! Arthur Wynne fragte in „10-11“ nach „A bird“ und in „19-28“ nach einem Synonym von „A pigeon“ (siehe Das 1. Kreuzworträtsel). Die Lösung lautet in beiden Fällen DOVE (auf Deutsch: Taube).

In „die aktuelle Spezial Kreuzwort-Rätsel für jeden Tag“ Nr. 5/2016 kommt in dem Rätsel „Raetsel oder Rät s e l“, bei dem manchmal auch eine ganze Silbe in ein Feld gehört, die „Stadt in Osttirol“ LIENZ doppelt vor, das zweite Mal als „Hauptort von Osttirol“. Hier kreuzen sich die beiden identischen Begriffe sogar miteinander.

Lienz

Wäre der Fehler im Lektorat aufgefallen, hätte man das Kreuzworträtsel dadurch „retten“ können, indem man in der Waagerechten z.B. nach dem LENZ (poetisch: Frühling) gefragt hätte.

In guten Kreuzworträtseln kommen keine gleichen Begriffe vor! Ich denke aber, dass die o.a. Kuriosität aufgrund der sonst sehr hohen Qualität in diesem Rätselheft (siehe Stiftung Rätseltest Nr. 24: „die aktuelle Spezial Kreuzwort-Rätsel für jeden Tag“ (Rätselredaktion Susen)) eine einmalige Ausnahme darstellen dürfte.


Kreuzungen

5. Juni 2015

Kreuzworträtsel heißen Kreuzworträtsel, weil sich darin Wörter kreuzen. Je mehr Kreuzungen es im Rätsel gibt, desto einfacher hat es der Rater. Gerade für Gelegenheitsrater ist es daher wichtig, dass jedes Wort im Rätsel mehrere Kreuzungen besitzt, damit man wenigstens Anhaltspunkte hat, falls man die Antwort nicht weiß. Für ordentliche Schwedenrätsel sollte die Regel gelten, dass jedes Wort mindestens 50 % Kreuzungsfelder beinhaltet, also Dreibuchstaber und Vierbuchstaber mindestens zwei Kreuzungen, Fünf- und Sechsbuchstaber mindestens drei Kreuzungen, etc.

Neulich hatte ich ein Rätsel im Rätselheft Freitzeit Idee Pocket Schwedenrätsel unterm Kuli, bei dem es gleich drei Verstöße gegen die obige Qualitätsregel gab. Drei Dreibuchstaber mit jeweils nur einer Kreuzung beim zweiten Buchstaben. In allen drei Fällen existieren sogenannte „Toter Zweier“, die man vermeiden könnte, indem sich zwei Fragen ein Kästchen teilen. Allerdings hätte man dann drei Zweibuchstaber mehr, was auch nicht gerade toll ist.

fundsache_006Unter dem Aspekt eines qualitativ guten Rätselbaus kann man die FREIZEIT IDEE also nicht empfehlen, obwohl das Heft im Impressum vom Verlag, der Freizeit Media GmbH aus München, als Qualitätsprodukt angepriesen wird.


„Tote Ecken“

7. Januar 2015

Im Beitrag „Gute Schwedenrätsel“ wurde es bereits erwähnt: Ein gutes Kreuzworträtsel hat einen hohen Verknüpfungsgrad, d.h. alle Begriffe sind über einen Weg miteinander verbunden. Dies erreicht man dadurch, dass nur wenige Fragekästchen aneinander hängen (außer am Rand). Auf keinen Fall dürfen jedoch Begriffe von den restlichen Begriffen vollständig abgetrennt sein.

Tote Ecken Kanzlit

Im gezeigten Beispiel bilden einige Beschreibungszellen oben rechts eine richtige Trennwand (rot markiert). Man kann hier von einer „toten Ecke“ sprechen, welche mit dem übrigen Teil des Rätsels überhaupt nicht verknüpft ist; es handelt sich eigentlich um ein eigenes Rätsel. Wer folglich mit einem Begriff in dieser „toten Ecke“ Schwierigkeiten hat, kann sich nur Hilfe über die anderen Begriffe in dieser Ecke holen.

Das ist jedoch nicht der Sinn eines Kreuzworträtsels! Das von mir gefundene Beispiel stammt aus der Tageszeitungs-Beilage „rtv“ (43/14). Das Schwedenrätsel wurde von der Rätselagentur Kanzlit erstellt, was mich eher stark verwundert, da diese Firma sonst sogar auf „tote Zweier“ verzichtet, von dem auch einer im oberen Rätsel vorhanden ist. 

„Tote Ecken“ in Kreuzworträtseln bin ich ansonsten nur aus den bei uns im Ort kostenlosen (Werbe-)Zeitungen „Heimatnachrichten“ und „Extra Tip“ gewohnt. Diese Rätsel werden von der Rätselagentur Witte erstellt. Man muss hier etwas genauer hinschauen, um zu erkennen, dass es sich bei dem folgenden Beispiel („Heimatnachrichten“ 48/14) in Wirklichkeit um drei (!) abgetrennte Bereiche handelt. Auch sonst ist bei einigen Begriffen der Verknüpfungsgrad nicht ideal (z. T. auch der Werbeinsel geschuldet).

Tote Ecken Witte

Halten wir fest: Gute Rätsel enthalten keine „toten Ecken“. Zum Glück sind diese isolierten Bereiche in den gängigen Rätselzeitschriften am Kiosk eine absolute Seltenheit. In Silbenkreuzworträtseln konnte ich sie dennoch manchmal vorfinden.


Presseberichte zum Jubiläum

30. Dezember 2013

Über das hundertjährige Kreuzworträtsel Jubiläum wurde in den Medien recht viel berichtet. Ich habe zirka vierzig Zeitungsartikel im Internet gelesen, bei denen allerdings überall mehr oder weniger dasselbe drin stand. Die meiner Meinung nach besten Berichte habe ich unten aufgelistet.

Aus der Tagesschau:
Erfolgsgeschichte senkrecht wie waagerecht – das Kreuzworträtsel wird 100 Jahre
http://www.tagesschau.de/multimedia/audio/audio115822.html
Audiodatei des New Yorker Korrespondenten Thomas Schmidt. Gut zum Einstieg.

Aus dem SPIEGEL:
Es begann mit F-U-N, waagerecht
Ausführlicher Artikel über die Erfindung des Kreuzworträtsels, sowie 10 historische Fotos
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumtag/Kreuzwortr%E4tsel.html

Aus der WELT:
Wer Kreuzworträtsel löst, kann Hitler besiegen
Wie der Titel schon andeutet, beschäftigt sich der Artikel auch mit anderen Aspekten, ebenfalls mit historischen Fotos
http://www.welt.de/kultur/article123202234/Wer-Kreuzwortraetsel-loest-kann-Hitler-besiegen.html

Auch aus der WELT:
Interview mit der amtierenden Deutschen Kreuzworträtselmeisterin Birgit Ely
http://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article123190925/Krafttraining-fuers-Gehirn.html

Aus  Die Presse.com:
Wurde das Kreuzworträtsel womöglich schon 20 Jahre früher erfunden?
http://diepresse.com/home/politik/zeitgeschichte/1508600/Was-ist-kleinkariert-und-wird-100?from=gl.home_politik

Aus der SÜDDEUTSCHEN:
Das allererste Kreuzworträtsel vom 21.12.1913 zum Selberrätseln mit deutsch-englischer Übersetzung der Fragen und Begriffe.
http://www.sueddeutsche.de/bildung/quiz-jubilaeum-knacken-sie-das-erste-kreuzwortraetsel-1.1842234
Außer diesen Artikeln gab es noch einige weitere gute, in denen verschiedene Rätselmacher zu diesem Anlass interviewt wurden. Die hebe ich mir aber noch für irgendwann später auf …


100 Jahre Kreuzworträtsel

21. Dezember 2013

Heute vor genau einhundert  Jahren wurde in den USA das erste Kreuzworträtsel veröffentlicht.

Siehe dazu meinen allerersten Blogartikel  im Januar 2008.

HAPPY BIRTHDAY CROSSWORD PUZZLE !!!

Auf die nächsten einhundert Jahre    🙂


Gute Schwedenrätsel

5. Februar 2009

Nachdem ich in meinen letzten beiden Artikeln über miese Schwedenrätsel abgelästert habe, möcht ich jetzt mal erläutern, was ein gut konstruiertes Schwedenrätsel ausmacht. Ein vernünftiges Schwedenrätsel muss auf jeden Fall die folgenden beiden Hauptregeln einhalten:

1.)  maximal zwei Nichtkreuzungsfelder nebeneinander

Egal ob waagerecht oder senkrecht:  jeder Buchstabe eines waagerechten Wortes, der nicht auch gleichzeitig Buchstabe eines senkrechten Wortes ist (und umgekehrt), darf nur einen Nachbarbuchstaben haben, der ebenfalls bloß zu einem einzigen Begriff gehört.

2.)  keine separaten Teile

Es darf keine Bereiche im Rätselgitter geben, die völlig vom Rest des Rätsels abgeschnitten sind. Dies kann vor allem in den Ecken vorkommen, wenn eine ganz Gruppe von Blindfeldern nebeneinander platziert wurde. Dieser Regelverstoß tritt hauptsächlich bei Schwedenrätseln auf, die mit Billigsoftware konstruiert wurden.

Diese beiden Regeln sind für ein Schwedenrätsel unabdingbar! Darüber hinaus gibt es aber noch eine Reihe weiterer Qualitätsmerkmale, an denen man gute Kreuzworträtsel von weniger guten unterscheiden kann:

–  das erste Qualitätsmerkmal ist der sogenannte Verknüpfungsgrad eines Kreuzworträtsels. Der Verknüpfungsgrad definiert das Verhältnis der Blindfelder (Fragezellen, Zellen ohne jegliche Funktion) zur Gesamtzahl aller Felder im Rätselgitter. Gute Schwedenrätsel erreichen dabei einen Verknüpfungsgrad von mindestens 1:4. Wenn beispielsweise ein Schwedenrätsel 20 mal 20 Felder groß ist, besitzt es insgesamt 400 Felder. Wenn es ein gutes Rätsel ist, sind davon höchstens 100 Blindfelder. Je weniger, desto besser.  Das Ziel ist also, möglichst viele Kreuzungspunkte im Rätselgitter zu haben, um dem Rater viele verschiedene Lösungsansätze bieten zu können.

–  die Anzahl an Füllwörtern sollte nicht sehr hoch sein. Füllworte sind Begriffe, die nur aus zwei oder drei Buchsaben bestehen. Oftmals wird dort nach Abkürzungen, Kfz-Kennzeichen, chemischen Symbolen, etc. gefragt. Wenn im Rätsel zuviele solcher Füllwörter vorkommen, vermindert dies erheblich den Spaßfaktor. Maximal jede vierte Frage sollte nach einem Füllwort fragen, besser nur jede sechste oder siebte. Es gibt Rätselagenturen, die es sogar schaffen komplett auf zwei- und dreibuchstabige Wörter zu verzichten. Dies ist aber höchst selten und auch nicht unbedingt notwendig. Am besten ist eine ausgewogene Mischung aus langen, mittellangen und kurzen Begriffen.

–  außerdem spielen natürlich die Begriffe selbst eine gewichtige Rolle für die Qualität eines Schwedenrätsels. Professionelle Rätselagenturen aktualisieren ständig ihre Datenbanken und sortieren veraltete Begriffe aus. Die Datenbanken von Share- und Freeware sind dagegen meines Wissens alle so gut wie unbrauchbar. Die Pflege einer Kreuzworträtseldatenbank ist halt sehr arbeitsintensiv und hat daher seinen Preis.

–  als letztes Qualitätsmerkmal sei noch die korrekte Rechtschreibung erwähnt, wozu es wohl keiner weiteren Erklärung bedarf.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass natürlich auch dem besten Rätselschmied immer mal wieder ein Fehler unterläuft. Klar! Die Erstellung guter Kreuzworträtsel ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit und viel schwieriger als sich das die meisten Leute vorstellen.

Also ein HOCH auf alle Rätselmacher !!

Ergänzender Verweis:   Qualitätsmerkmale bei Rätsel-Krüger


Wie löst man am besten ein Zahlenrätsel?

28. April 2008

Natürlich möchte ich in diesem Blog auch Tipps geben bzw. Lösungsstrategien erläutern. Als erstes habe ich mir einen eher einfach zu lösenden Rätseltyp ausgesucht: das Zahlenrätsel oder auch Zahlenkreuzworträtsel.

Beim Zahlenrätsel gibt es keine Fragen, die beantwortet werden müssen, sondern in jedem leeren Feld des Rätselgitters steht eine Zahl, die durch einen Buchstaben ersetzt werden soll. Gleiche Zahlen bedeuten gleiche Buchstaben und natürlich sollten am Ende ausschließlich sinnvolle Begriffe dabei heraus kommen.

Normalerweise ist anfangs immer ein Begriff und damit auch immer 3 oder 4 Buchstaben bereits als Hilfestellung vorgegeben, so dass der erste Schritt einfach darin besteht, die vorgegebenen Buchstaben bzw. deren zugeordnete Zahlen im ganzen Rätsel zu suchen und einzutragen.
So weit so gut. Als nächstes ist es am geschicktesten, wenn man die Zahl herausfindet, die den Buchstaben E symbolisiert (falls dieser Buchstabe nicht bereits zum Startwort gehört). Dies ist relativ einfach, da das E der mit Abstand am häufigsten vorkommende Buchstabe des deutschen Alphabets ist (17,4%, der zweithäufigste ist das N mit 9,8%). Man braucht also nur zu schauen, welche Zahl besonders häufig vorkommt, und schon hat man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das E gefunden und auch bereits ein knappes Drittel des Rätselgitters gefüllt.
In den meisten Fällen findet man dann schon Wörter, bei denen nur noch ein Buchstabe fehlt und die somit einfach aufzulösen sind. Ansonsten kann man beim weiteren Vorgehen an folgendes denken:

– wenn am Wortanfang ein L, M, N oder R steht, kommt danach in der Regel entweder ein Vokal oder ein H. Auf diese Weise kann man relativ schnell die noch fehlenden Vokale herausfinden.
– jedes 5. Wort endet mit einem N. Wenn man sich also die Zahlen des jeweils letzten Kästchens anschaut, hat man das N schnell gefunden.
– die drei Buchstaben des SCH sind oft schnell zu finden, wenn zwei der drei bereits bekannt sind. Wenn nur das C bekannt ist, ist das H meist auch nicht weit weg. Dasselbe gilt für das S und das T.
– die Buchstaben L, M, N, R, S, T sind nicht nur recht häufig, sondern kommen auch gerne doppelt daher.
– normalerweise sollten in einem guten Zahlenrätsel keine ausländischen Wörter, Abkürzungen, Kfz-Kennzeichen etc. vorkommen. Städte-, Personennamen oder fachsprachlichen Ausdrücke kommen dagegen öfter vor.

Damit kommt man meist recht schnell zum Ziel. Lediglich bei den letzten zwei oder drei fehlenden Buchstaben muss man oft ein wenig länger überlegen. Da meistens nicht alle 26 Buchstaben des Alphabets im Rätsel vorkommen, sondern nur 20 oder 22, dauert es manchmal eine Weile bis man die passenden letzten Buchstaben gefunden hat. Die am wenigsten verwendeten Buchstaben im deutschen Sprachgebrauch sind übrigens das X (0,03%), das Y (0,04%), das J (0,27%) und das V (0,65%).

Zahlenrätsel stellen für geübte Rätselrater meist keine große Herausforderung dar, sind aber beliebt bei Rätselneulingen und sollten daher in keinem vernünftigen Rätselheft fehlen. Seit einigen Jahren kommen auch immer mehr sogenannte Zahlen-Schweden-Kombirätsel in Mode, die mir persönlich aber nicht so gut gefallen. Der Nachteil beim Zahlenrätsel ist die relativ stumpfe Schreibarbeit zu Beginn des Rätsels. Dies bleibt einem übrigens bei Online-Zahlenrätseln erspart, wie man sie beispielsweise bei www.raetselfieber.de findet.

Weiterführender Link: Wikipedia-Artikel zur Buchstabenhäufigkeit